Pfarrei St. Anna

Katholische Kirche in Schwerin, Rehna und Gadebusch




Pfarrei St.Anna - Rückblick 2022

Propst Georg Bergner

  In den ersten Berichten über das Jahr 2022 ist häufig von einem Krisenjahr die Rede. Dieses Urteil bezieht sich vor allem auf den Ukraine-Krieg und seine Folgen. Im Februar griffen die russischen Truppen verschiedene Gebiete in der Ukraine an und brachten Zerstörung und Leid über die Bevölkerung. Der Krieg löste eine erste große Flüchtlingswelle aus. Auch in Schwerin kamen zahlreiche Flüchtlinge an und trafen insgesamt auf große Hilfsbereitschaft. Diese brachte es mit sich, dass Viele, unter ihnen auch Gemeindemitglieder ihre Häuser und Wohnungen für die Ankommenden öffneten, sie aufnahmen und ihnen bei der Arbeitssuche und den Behördengängen halfen, beim Deutschlernen und der schulischen Versorgung der Kinder. Unsere Caritas organisierte mehrere Hilfstransporte, die auch dank einer bischöflichen Spendenaktion finanziert werden konnten. Die Auswirkungen des Krieges erreichen aber auch unsere Gesellschaft. Wieder kam es zu Demonstrationen, die Ausdruck der gespaltenen Meinungen in der Bevölkerung sind. Alle eint, dass man natürlich den Frieden fördern möchte, mit welchen Mitteln dies geschehen muss, darüber herrscht Uneinigkeit. Wir erinnern uns an die Diskussionen um militärische Hilfe für die Ukraine, über Boykotte gegenüber Russland und schließlich über die Neuaufstellung der Energiepolitik. Die Lage ist kompliziert. Im Augenblick erleben wir, bedingt durch die Verteuerung der Energiepreise, eine hohe Inflation, die wiederum die gesellschaftlichen Kräfte, vor allem die Sozialverbände und Behörden herausfordert. Schließlich gilt es, gerade die, die wenig haben zu unterstützen. Diese Härten werden uns noch einige Zeit begleiten. Vor allem sollten wir nicht aufhören, uns für den Frieden einzusetzen, in der Welt und in unserer Gesellschaft, durch Gebet und praktisches Handeln. In den nächsten Monaten möchten wir uns in St. Anna auf Initiative des Gemeindeteams der Aktion „Netzwerk Warme Orte" des Erzbistums anschließen und ein eigenes Projekt dazu entwickeln.

  Über den Krieg in Europa geriet vieles andere zur Nebensache. Über Syrien wird nur noch sehr wenig berichtet, ebenso über den Yemen. Der blutige Bürgerkrieg in Äthiopien gerät aus dem Blickfeld, ebenso zahlreiche andere Krisen und Naturkatastrophen, die sich in den verschiedenen Teilen der Welt ereignen. Auch die Aufmerksamkeit für die Corona-Pandemie ist deutlich geschwunden und dass trotz einer großen Erkrankungswelle im Herbst. Derzeit haben die KiTas und Schulen, aber auch das Gesundheitswesen und viele andere Arbeitsbereiche mit großen Ausfällen durch die Grippe und andere Erkältungskrankheiten zu kämpfen, die auch in den Krankenhäusern zu hohen Belegungszahlen und leider auch Todesfällen führen. Die Schutzmaßnahmen, die im öffentlichen und kirchlichen Bereich stark zurückgegangen sind, werden, so sehr wir die wiedergewonnene Freiheit schätzen, können noch nicht ganz zurückgefahren werden.
Dabei haben wir uns auch in unseren Gemeinden darüber gefreut, wieder ein halbwegs normales gottesdienstliches und gemeindliches Leben zu führen. Der Gottesdienstbesuch stabilisiert sich, viele Gruppen treffen sich wieder normal wie früher. Zugleich merken wir, dass die zwei Jahre mit Corona einen Einschnitt bedeuten. Einfach so können wir eben doch nicht an die Zeit vorher anknüpfen. Auch aus diesem Grund haben die Gemeindeteams eine Umfrage initiiert, die uns helfen soll, die wirklichen Bedarfe nach kirchlicher Betätigung und ehrenamtlichem Engagement einzuschätzen. Wir starten in eine Zukunft, in der sich das Engagement voraussichtlich auf weniger Schultern verteilt, in der uns Ressourcen fehlen werden. Die angestoßene Vermögens- und Immobilienreform, deren Ergebnisse im Laufe des nächsten Halbjahrs entstehen, werden einen wichtigen Orientierungspunkt darstellen. Unsere bislang weiter bestehende Struktur mit vier Gemeinden und fünf Kirchenstandorten wird sich verkleinern. Das Jahr 2023 wird so wahrscheinlich im Zeichen des gemeindlichen Umbruchs stehen.

  Nach den Jahren der Corona-Einschränkungen gab es in diesem Jahr Nachholbedarf. Wir haben viele schöne Anlässe und Feste teilweise auch in großer Zahl gefeiert. Ich erinnere mich gerne an das schöne Chorfest anlässlich des Jubiläums des St. Anna-Chores. Ich denke an die RKW mit Rekordbeteiligung, an das Himmelfahrtsfest in Rehna, an zahlreiche, zum Teil nachgeholte Trauungen, an die gutbesuchte Oldie-Party, oder zuletzt an die Offene Weihnacht im Bernhard-Schräder-Haus, eine frohe und dankbare Gästegruppe und die gut besuchten Weihnachtsgottesdienste. Ich freue mich, dass der Glaubenstag im November stattfinden konnte, dass die Taizé-Gebete gut besucht waren und dass im Herbst ein erster Alpha-Kurs, ein kompakter Glaubenskurs starten konnte, der sich nicht nur an Neuinteressierte, sondern auch an bereits aktive Christen richtet. Ich glaube, dass wir in Zukunft mehr in solche Formate der Glaubensvertiefung investieren müssen.

  Ich möchte allen danken, die auf ihre Weise zum kirchlichen Leben und zum caritativen Engagement beigetragen haben. Besonders möchte ich mich in diesem Jahr bei der Petrus-Gemeinde auf dem Dreesch bedanken, die in der Zeit der KiTa-Nutzung in St. Andreas für das Begegnungscafé und andere Gemeindetätigkeiten großzügig ihre Türen geöffnet hat. Unsere Dauerbaustelle KiTa ist mittlerweile nach langen Verzögerungen und Kostensteigerungen auf einem guten Weg. Ende März werden Kinder und Erzieherinnen nach St. Anna zurückkehren. Allen Eltern und Mitarbeiterinnen, dem Bau- und Finanzausschuss gilt für diesen besonderen Einsatz und für die hart auf die Probe gestellte Geduld gilt ebenfalls ein besonderer Dank.
Im Pfarrteam hat sich ebenfalls etwas getan. Seit August ist unser Jahrespraktikant Markus Schlenker bei uns. Begleiten wir ihn auf dem Weg zum Priesteramt auch mit unseren Gebeten. Im September wurde unsere vormalige Pastoralassistentin Cosmea Schmidt in den Pastoralen Dienst ausgesandt. Sie ist derzeit in Elternzeit. Seit Oktober ist Pastor Adam Ulatowski bei uns und ich freue mich sehr, dass er in den priesterlichen Dienste, der Seelsorge und geistlichen Begleitung schnell einen guten Ort in St. Anna finden konnte. Unsere Marienschwestern hatten ein schwieriges Jahr, geprägt durch Krankheiten. Schwester Wilfrieda hat Schwerin verlassen und ist in die Kommunität nach Meppen gezogen. Seit diesem Monat haben die Schwestern Unterstützung bekommen. Schwester Andrea Walterbach, die vormalige Generaloberin des Ordens ist zur Gemeinschaft hinzugestoßen. Unsere Schwestern, die leider gerade auch eine Krankheitswelle plagt, lassen Sie alle sehr herzlich grüßen.

  Es wäre noch über vieles zu sprechen, etwa über den Synodalen Weg, über die die personellen Veränderungen in der Ökumene, über die Bernostiftung, die seit diesem Jahr zum Glück wieder in ruhigere Fahrwasser gekommen ist, über unsere Caritas, in der wir Steffen Feldmann als Leiter verabschiedet haben und ein neuer Caritasrat gegründet wurde.

  Ich möchte schließen mit Worten von Papst Benedikt XVI. anlässlich des Jahresschlusses aus einer Andacht am 31. Dezember 2012.:

  „Das „Te Deum", das wir heute Abend am Ende eines Sonnenjahres an den Herrn richten, ist ein Dankhymnus, der mit einem Lob beginnt – »Dich, Gott, loben wir, dich, Herr, preisen wir« – und mit einem Bekenntnis des Vertrauens endet – »Auf dich, o Herr, habe ich meine Hoffnung gesetzt. In Ewigkeit werde ich nicht zuschanden«. Wie auch immer das Jahr verlaufen sein mag, leicht oder schwer, fruchtlos oder reich an Früchten, wir sagen Gott Dank. Denn im Te Deum ist eine tiefe Weisheit enthalten, jene Weisheit, die uns sagen lässt, dass es in der Welt trotz allem Gutes gibt und dass dieses Gute dazu bestimmt ist zu siegen, durch Gott, den Gott des menschgewordenen, gestorbenen und auferstandenen Jesus Christus. Sicherlich ist es zuweilen schwierig, diese tiefe Wirklichkeit wahrzunehmen, denn das Böse macht mehr Lärm als das Gute; ein grausamer Mord, weitverbreitete Gewalt, schwere Ungerechtigkeiten tauchen in den Schlagzeilen auf; die Gesten der Liebe und des Dienstes, die treu und geduldig ertragene tägliche Mühe stehen dagegen häufig im Schatten, treten nicht ins Rampenlicht. Auch aus diesem Grund dürfen wir nicht nur bei den Nachrichten stehenbleiben, wenn wir die Welt und das Leben verstehen wollen.

  Wir müssen in der Lage sein, in der Stille zu verweilen, in der Meditation, in einer ruhigen und längeren Reflexion; wir müssen es verstehen innezuhalten, um nachzudenken. So kann unser Geist Heilung finden von den unvermeidlichen Wunden des Alltags, kann in die Tiefe der Tatsachen hinabsteigen, die in unserem Leben und in der Welt geschehen, und jene Weisheit erreichen, die es erlaubt, die Dinge mit neuen Augen zu sehen. Vor allem in der Sammlung des Gewissens, wo Gott zu uns spricht, lernt man, das eigene Handeln und auch das in uns und um uns herum vorhandene Böse im Licht der Wahrheit zu betrachten, um einen Weg der Bekehrung zu beginnen, der einen weiser und besser werden lässt, fähiger dazu, Solidarität und Gemeinschaft zu stiften, das Böse mit dem Guten zu besiegen. Der Christ ist ein Mensch der Hoffnung – auch und vor allem angesichts der Dunkelheit, die es oft in der Welt gibt und die nicht vom Plan Gottes abhängt, sondern von den falschen Entscheidungen des Menschen –, denn er weiß, dass der Glaube Berge versetzen kann (vgl. Mt 17,20): der Herr kann auch die tiefste Dunkelheit erleuchten."

 


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